Unrecht und Recht
Kriminalität und Gesellschaft im Wandel 1500-2000
Unrecht und Recht, Kriminalität und Strafverfolgung haben das alltägliche Leben der Menschen im Laufe der Jahrhunderte geprägt. Jede Gesellschaft, jede geschichtliche Epoche kannte Kriminalität in all ihren Formen und entwickelte ihre eigenen Methoden und Instrumente zur deren Verfolgung. Sowohl bei der Entstehung von Kriminalität wie auch bei ihrer Verfolgung spielen soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Strukturen eine zentrale Rolle, aber auch das jeweilige philosophische oder theologische Weltbild. Diese Faktoren entscheiden darüber, was als kriminelle Handlung gewertet wird und wie diese geahndet werden muss.
Seit es Staat gibt, gehörte die Durchsetzung von Recht und die Ahndung von Unrecht zu seinen vornehmsten Aufgaben; Berge von Prozessakten in den Archiven - sie sind deshalb zur Präsentation dieses Themas besonders berufen - lassen den Stellenwert der Justiz für die öffentliche Verwaltung in Geschichte und Gegenwart erkennen.
"Unrecht und Recht. Kriminalität und Gesellschaft im Wandel 1500-2000" möchte einen Überblick über die Entwicklung dieses Phänomens über einen Zeitraum von rund 500 Jahren im Gebiet der heutigen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland geben.
Die Annäherung an dieses komplexe und vielschichtige Thema erfolgt auf zwei Wegen. In einem ersten Hauptteil werden typische Formen der Kriminalität aus der Region vorgestellt und in ihrer Entwicklung verfolgt. In chronologischer Reihe werden die Themen Hexen, Weinverfälschung, Räuberbanden, Alltagskriminalität, die Kriminalisierung politischen Handelns und Mord dargestellt. In diesem Hauptteil steht die "Perspektive von unten" im Mittelpunkt, indem versucht wird, diese Phänomene in erster Linie aus der Sicht der Täter und Opfer zu schildern. Hierzu wurden für jede der geschilderten Straftaten aussagekräftige Einzelbeispiele aus verschiedenen Jahrhunderten ausgewählt, die einen sehr unmittelbaren Zugang zu der Thematik bieten.
In einem zweiten Hauptteil wird mit einem "Blick von oben" die Entwicklung der strafrechtlichen Verfolgung von Straftaten aufgezeigt, wobei ein Hauptaugenmerk auf die Ursachen des Wandels in der Gesetzgebung, aber auch Verfolgungspraxis gelegt wird. Nach einer Vorstellung der Träger der Strafverfolgung werden die unterschiedlichen Gesetzesgrundlagen erläutert sowie die verschiedenen Strafprozessformen dargestellt. Den Abschluss dieses Hauptteils bildet die Strafverfolgung, also die Entwicklung vom öffentlichen Strafvollzug auf einer Richtstätte mit Strafen an Leib und Leben, aber auch sogenannten Schand- und Ehrenstrafen, hin zu den heute üblichen Gefängnisstrafen.
Abgerundet wird die Ausstellung durch einem einleitenden Teil zu den Grundzügen der mittelalterlichen Rechtsgeschichte sowie einen knappen Blick auf die aktuelle Problematik der Strafverfolgung am Schluss der Ausstellung, die durch Schlagworte wie "Rasterfahndung" und strafrechtliche Datenbanken, aber auch Resozialisierung skizziert wird.
Eine Wanderausstellung des Landeshauptarchivs Koblenz
In Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Saarbrücken, den Universitäten Trier, Mainz und Saarbrücken, dem Stadtarchiv Worms, dem Kreisarchiv Bernkastel-Wittlich, dem Universitätsarchiv Saarbrücken sowie dem Archiv des Landtags von Rheinland-Pfalz und zahlreichen weiteren Archiven in Rheinland-Pfalz und Saarland.
Schirmherr: Herbert Mertin
Staatsminister für Justiz des Landes Rheinland-Pfalz
Unser Dank gilt der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur,
Burgen, Schlösser, Altertümer und der Bitburger Brauerei.

